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Die Kernfrage: 1,2,3,4 oder doch gleich 6 Kerne

Diese Frage kann kompliziert werden. Früher war alles einfacher: es gab nur Prozessoren die einen Kern besaßen. Gut, man musste zwischen Intel und AMD wählen und durfte sich von den Taktspielereien der Hersteller nicht verwirren lassen. Im Endeffekt hatte man aber nur die Wahl zwischen einem Intel und dem jeweiligen Pendant von AMD. Heute gibt es zwar auch nur diese beiden Hersteller, aber die Auswahl an einzelnen Prozessoren ist riesig.
Welcher Hersteller, wie viele Kerne, welcher Takt, wie viel Cache, .... - eine fast endlose Geschichte. Aber nur fast, denn hier wird Ihnen geholfen.

Prozessoren mit mehr als einem Kern, die sog. Mehrkern-Prozessoren oder engl. Multi-Cores, gibt es seit rund fünf Jahren. Davor gab es verschiedene Ansätze mehr Rechenleistung in einem einzelnen PC zu erreichen.

Mainboards mit zwei Prozessoren
Hierfür wurden zwei Sockel auf einem Mainboard verbaut. Aus vielfältigen Gründen - u.a. waren die Preise für die benötigten Komponenten deutlich höher - haben sich diese Mainboards im privaten Sektor nie durchgesetzt.

Hyper-Threading-Technologie (HTT) oder Simultaneous Multithreading (SMT)
Aufgrund der Prozessor-Architektur, müssen Befehle immer nach der Reihe abgearbeitet werden. Dadurch entstehen sinnlose Wartezeiten. Die oben genannten Technologien, können diese Wartezeiten nutzen, um andere Befehle auszuführen. Im Taskmanager von Windows werden Prozessoren, die diese Technologie unterstützen, immer mit doppelt so viel Kernen, wie realen Kernen angegeben. Davon sollte man sich nicht verwirren lassen. Ein aktuelles Beispiel ist der Core i7 von Intel. Alle i7-Prozessoren mit vier Kernen weisen acht Kerne im Taskmanager auf. Neben vier realen Kernen, besitzt dieser Prozessor also auch vier "virtuelle" Kerne.
Um die Performance eines Prozessors einschätzen zu können gibt es folgende Regeln:
Reale Kerne besitzen immer eine höhere Performance, als "virtuelle" Kerne. Trotzdem wirken sich HTT und SMT in sehr vielen Fällen positiv auf die Performance aus.

Wie viel schneller sind Mehrkernprozessoren?
In den Anfangsjahren der Mehrkern-Prozessoren, wurden diese oft mit folgender "Taktik" beworben:
Die Taktraten aller Kerne wurden addiert. Dabei wurde aus einem Pentium D mit 3 GHz ein Pentium D mit 6 GHz. Mittlerweile hat es sich bei vielen herumgesprochen, dass diese Rechnung so nicht richtig ist. Es gibt kein Programm, dass auf einem Zweikern-Prozessor doppelt so schnell läuft, wie auf einen Einkern-Prozessor. Maximal wird aktuell ein Faktor von ca. 1,9 erreicht. Hierbei muss angemerkt werden, dass dies nur wenige Programme schaffen. Wie stark ein Programm von mehreren Kernen profitiert, hängt von der Programmierung ab. Die Software muss die benötigten Befehle in mehrere Threads aufteilen können, damit diese von den einzelnen Kernen abgearbeitet werden können. Ist dies nicht der Fall, läuft die Software auf einem Mehrkern-Prozessor theoretisch genau null Prozent schneller. In der Praxis wird der Unterschied etwas größer sein, da Programme im Hintergrund, und auch Windows selbst, etwas Rechenleistung benötigen. Diese Grundlast kann bei mehreren Kernen von anderen Kernen übernommen werden. Deshalb ist der Einsatz eines Multikern-Prozessors heute immer empfehlenswert.

Eine entscheidende Frage: Mehr Takt oder mehr Kerne?
Hat man einmal das Budget für den Kauf des Prozessors festgelegt, stellt sich oft diese Frage. Leider kann man sie nicht problemlos beantworten. Die Antwort hängt wie immer von den eingesetzten Programmen ab. Sind diese, oder besser gesagt die Mehrzahl der eingesetzten Programme, für mehrere Kerne optimiert, so bieten es sich an, einen Prozessor mit mehr Kernen zu wählen. Da nicht jeder die Anforderungen aller seiner Programme kennt, würde ich zur Auswahl die oben aufgestellte Tabelle nutzen. Aus zwei weiteren Gründen würde ich außerdem immer zu mehr Kernen, als zu mehr Takt, raten. Die Zukunft: neue Programme werden verstärkt daraufhin optimiert, viele Kerne zu unterstützen. Mehr Kerne werden sich also in der Zukunft positiv auswirken.
Der Taktunterschied: oftmals liegt der Taktunterschied bei wenigen hundert Megahertz. Ein nur z.B. 10-20 Prozent höher getakteter Prozessor wirkt ist kaum in der Benutzung aus. Steigt die Anzahl der Kerne allerdings z.B. von zwei auf drei, können einige Programme fast 50 Prozent schneller arbeiten. Kerne freischalten - der günstige Weg zu mehr Leistung In letzter Zeit hat sich das Freischalten von Kernen zu einem regelrechten "Volksport" entwickelt. Beim Kauf der Hardware war die Möglichkeit des "Unlockens" für viele Käufer ein entscheidendes Kaufargument. Nicht zu unrecht, denn zeitweise ließen sich bei vielen Prozessoren deaktivierte Kerne wieder aktivieren. Mit Glück konnte man aus einem Athlon II X2 einen X4 machen. Zwei statt vier Kerne - und das für null Euro. Auch deaktivierter Cache konnte des Öfteren wieder freigeschaltet werden. Die Preisersparnis zum verkauften Prozessor mit diesen Werten, lag im günstigsten Fall bei bis zu 50 Prozent.

Warum gibt es überhaupt die Möglichkeit Kerne freizuschalten?
AMD verfolgt bei der Produktion ihrer Prozessoren ein einfaches Ziel: den Ausschuss minimieren. Mit steigender Anzahl der Kerne, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass einer oder mehrere Kerne defekt sind. Für AMD ist dies kein größeres Problem. Ist bei einem Vierkern-Prozessor z.B. ein Kern defekt, kann er auch als Dreikern-Prozessor - mit einem deaktivierten Kern - verkauft werden. Da die Nachfrage nach Zwei- oder Dreikern-Prozessoren in der Anfangszeit von AMD durch teildefekte Prozessoren nicht gedeckt werden konnte, hat sich AMD wohl dazu entschlossen, eigentlich funktionstüchtige Vierkern-Prozessoren mit deaktivierten Kernen, als Zwei- oder Dreikern-Prozessoren zu verkaufen. Ein weiterer Grund für freischaltbare Kerne kann auch eine sehr strenge Endkontrolle in der Fertigung sein. Erreicht ein Prozessor mit allen Kernen nicht die definierten Vorgaben, wird er solange "beschnitten", bis diese erreicht werden. Dem Käufer dieses Prozessor wird dieser Fehler nach dem Aktivieren nicht auffallen, solange der Prozessor mit seinen Einstellungen stabil läuft. Fazit Kerne freischalten: Die Anzahl der Prozessoren mit freischaltbaren und funktionstüchtigen Kernen nimmt wohl immer weiter ab. Nach anfänglichen großen Erfolgschancen, liegen diese nach allgemeinen Erfahrung, bereits nur noch im unteren zweistelligen Bereich; unterschiedlich je nach Prozessor und Herstellungsdatum. Aus diesem Grund sollte man keinen "schlechteren" Prozessor kaufen und dann auf eine mögliche Freischaltung von zusätzlichen Kernen hoffen. Wer nur einen Zwei- oder Dreikern-Prozessor benötigt, kann sei Glück natürlich versuchen und kostenlos an mehr Leistung kommen.

Was braucht man zu Freischaltung?
Ein Mainboard, das die ACC (Advanced Clock Calibration) unterstützt und mindestens eine Southbridge vom Typ SB710 oder neuer besitzt.

Die Prozessor-Kaufberatung (Stand Juni 2010)
(Preise der Boxed-Versionen; die Taktangaben eigenen sich nur innerhalb einer Architektur zum Vergleich)
bis 50 Euro:
AMD Athlon II X2 240: Zweikern-Prozessor mit 2 x 2,8 GHz
bis 75 Euro:
AMD Athlon II X3 435: Dreikern-Prozessor mit 3 x 2,9 GHz
bis 100 Euro:
AMD Athlon II X4 630: Vierkern-Prozessor mit 4 x 2,8 GHz
bis 150 Euro:
AMD Phenom II X4 955: Vierkern-Prozessor mit 4 x 3,2 GHz und L3-Cache
bis 250 Euro:
Intel Core i7-860: Vierkern-Prozessor mit 4 x 2,80 GHz und SMT
über 250 Euro
Hier muss man sich die Frage stellen, ob sich größere Prozessoren überhaupt lohnen. Die Preisstrategie von Intel lässt dies kaum zu. Bereits wenige MHz mehr führen zu einem Preisanstieg von fast 100 Prozent.
Nur die beiden Sechskern-Prozessoren (AMD Phenom II X6 1090T, Intel Core i7-980X EE) stechen aus dem Feld der Prozessoren heraus. Wer die maximale Rechenleistung benötigt, wird beim Intel Core i7-980X EE für knappe 920 Euro landen. Dafür erhält man brachiale Power, die alle anderen Prozessoren in den Schatten stellt.

Spezialfälle:
Wer eine möglichst hohe Rechenleistung auf einem oder zwei Kernen benötigt, der liegt mit dem Intel Core i5-661, i5-670 oder gar dem i5-680 richtig. Bei bis zu 3,60 GHz (ohne Turbomodus) erreicht hiermit die höchste Rechenleistung. Overclocking:
OC-Profis greifen gerne zum Intel Core i5-750 oder dem Core i7-860. 4 GHz sind damit in sehr vielen Fällen ohne größere Probleme möglich.