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Wunder gibt es immer wieder: DSL und die Deutsche Telekom

Wie ich nach Jahren des Wartens doch noch eine akzeptable DSL-Geschwindigkeit bekommen habe.

Seit vielen Jahren (genau genommen seit 2004) nutze ich einen DSL-Anschluss der Deutschen Telekom. Im Vergleich zu einem Modem (56 Kbit/s) waren die erreichten 768 Kbit/s eine deutliche Verbesserung. Die Jahre gingen ins Land und auch das Internet wurde "multimedia-lastiger". You Tube, Bilderstrecken und die Mediatheken der Fernsehsender vervielfachten den Traffic. Mit steigender Videoqualität stieg auch die Bandbreite der Videos an. Während ich in den ersten Jahren mit 768 Kbit/s noch gut auskam, wurde es Ende des ersten Jahrzehnts langsam eng. Besonders wenn noch andere Personen über den gleichen Internetzugang online gehen, was in einem Mehrpersonenhaushalt fast immer der Fall ist, sinkt die verfügbare Brandbreite schnell auf einen nicht mehr akzeptablen Wert. Videos ohne vorheriges Puffern anzuschauen ist dann zum Beispiel unmöglich.

Warum nicht einfach die Bandbreite des Anschluss erhöhen?
Schön wäre es, aber ich wohne etwas außerhalb der Stadt. Während Freunde - die mit 1 Mbit/s starteten - ihre Anschlüsse immer weiter "aufrüsteten" (auf 6 Mbit/s oder gar 16 Mbit/s) saß ich weiterhin auf meiner lahmen Leitung fest. Die Strecke zum nächsten Knotenpunkt war einfach zu lang für eine schnellere Verbindung. Die äußerst konservativen Dämpfungsgrenzen der Deutschen Telekom tragen außerdem ihren Anteil dazu bei.

Einen Wechsel zu einem anderen Anbieter - laut deren Verfügbarkeitstests waren zwischen 1,5 Mbits/s und 5 Mbit/s möglich - wollte ich wegen vieler Risiken (bekomme ich die zugesicherte Bandbreite überhaupt, oder habe ich bei Problemen für Wochen kein Internet) lieber nicht riskieren.

2009 keimte in mir neue Hoffnung auf. Im Rahmen des Konjunkturpakets II sollte der DSL-Ausbau durch die Breitbandstrategie der Bundesregierung in ländlichen Gebieten vorangetrieben werden. Ziel waren 1 bis 3 Mbit/s für (fast) alle Haushalte. Wer nicht per Kabel angebunden werden konnte, sollte per Funk versorgt werden. Aber natürlich zu früh gefreut. Die Deutsche Telekom wollte viele Bereiche trotz Förderung wegen "Unwirtschaftlichkeit" nicht ausbauen, andere Anbieter mussten erst gefunden werden. Selbst nachdem einer gefunden war, zog sich der Ausbau wegen diverser Probleme in die Länge. Monat um Monat verging und es passierte nichts. Kurzum, ich hatte keine Lust mehr.

Monate vergehen

Frustriert wie ich war, testete ich im Juli 2011 mal wieder (beinahe monatlich durchsuchte ich die DSL-Verfügbarkeitschecks der verschiedenen Anbieter) den DSL-Verfügbarkeitscheck der Deutschen Telekom. An ihrem Standort ist DSL 1000 mit bis zu 768 Kbit/s verfügbar, bla bla bla - diesen Satz konnte ich mittlerweile auswendig. Doch halt! Was war das.


(Screenshot Webseite Deutsche Telekom)

DSL mit bis zu 2048 Kbit/s. Mein erster Gedanke: Die haben bestimmt bloß die Anzeige umgestellt, denn das kleinste DSL-Paket der Telekom war das bis 2 Mbit/s - für das natürlich auch bei einer geringeren Bandbreite voll gezahlt werden muss. Einen Versuch war es wert, also schnell einen Freund gefragt, was sein Test "ausspuckt". Hm, das gleiche wie früher. Durch Zufall fiel mir die Linkbeschreibung in der unteren Ecke des Firefox auf.


(Screenshot Webseite Deutsche Telekom)

.../tdsl2000ramresult

Ich erinnerte mich an eine Technologie, die bereits in Deutschland eingesetzt wird und die Bandbreite des Anschlusses verbessern soll. Die Telekom als fortschrittliches Unternehmen nutzte sie natürlich nicht (heute gilt: natürlich lange nicht). RAM steht für Rate Adaptive Mode und für das Erreichen der maximal möglichen Datenrate der Leitung. Praktisch bedeutet dies, dass man nicht mehr an eine feste Bandbreite (zum Beispiel 768 Kbit/s) gebunden ist, sondern die maximale Bandbreite genutzt wird. Dass kann je nach Leitungszustand nur wenig mehr, aber auch deutlich mehr sein.
Kurz im Internet gesucht: Aha, die Deutsche Telekom bietet dieses Technologie jetzt doch an. Da schau her, sie haben es doch noch geschafft. Erste Berichte von Usern gibt es auch schon. Von "meine Bandbreite hat sich verdreifacht" bis "meine Leitung ist total instabil" war alles dabei. Na gut, einen Versuch ist es wert dachte ich und rief bei der Hotline an. Die freundliche Dame am anderen Ende konnte mit Rate Adaptive Mode zwar nicht viel anfangen, als ich DSL RAM meinte, wusste sie allerdings Bescheid. Sie stellt es ein. Das geht übrigens auch selbstständig über das Kundenkonto im Internet. Am übernächsten Tag trudelt das Schreiben ein. Freischaltung am 23. Juli. Oh man, noch so lange hin. Egal, ich hab vorerst eh was anderes zu tun.

Morgens am 23. Juli: PC schnell angemacht und rein ins Netz. Erster Test: genauso schnell wie vorher. Das gibt es doch gar nicht! Abwarten denke ich, vielleicht wird die Leitung erst noch freigeschaltet. Kurz nach Mittag erreicht mich der Anruf eines Technikers der Deutschen Telekom. Er stellt meinen Anschluss um, Telefon und Internet werden eine Viertelstunde nicht gehen. Strike! Nach circa 15 Minuten ein zweiter Anruf, Anschluss umgestellt. Router angeschaltet, Speedtest.net aufgerufen. Start gedrückt und das Warten begann. Unglaublich - die Anzeige schnellte auf 2 Mbit/s Download hoch. Oh mein Gott, und 0,35 Mbit/s Upload auch noch - das kann doch gar nicht sein. Schnell mal eine Datei runterladen und auf die Kilobyte pro Sekunde achten. 230 bis 235, es ist wahr!!! Manche mögen mich für verrückt halten, aber 2 Mbit/s sind ein Traum, wenn man wie ich acht Jahre mit DSL Light 768 leben musste. Eine 2,5-fache Datenrate im Download und eine 3-fache Datenrate im Upload sind Welten. You Tube Videos laufen jetzt auch mit 480er-Einstellung ohne langes Puffern, die Videos der Mediathek des Ersten kann ich ebenfalls ohne Wartezeit anschauen und FarmVille (warum ich das spiele ist eine gute Frage) lädt nicht mehr in Zeitlupengeschwindigkeit.

Fazit: Mit 2 Mbit/s (schwankend, real meistens knapp über 1,8 Mbit/s) bin ich sehr zufrieden, es ist mehr als ich mir erhofft habe. Da ich sehr viele Dateien hochlade, kommt mir auch der hohe Upload von 0,34 Mbit sehr entgegen. Das Kapitel lahmes DSL ist für mich damit beendet. Der Service der Telekom war dieses Mal absolut zufriedenstellend.

vorher
Speedtest

nachher
Speedtest


Zwei Fragen bleiben allerdings:
Warum informiert die Telekom ihre Kunden nicht über diese "neue" Technologie?
Warum ist früher zu mindestens nicht DSL 1000 verfügbar gewesen? Der Abstand von 1,8 Mbit/s zu 1,0 Mbit/s müsste doch eigentlich groß genug sein, um Schwankungen ausgleichen zu können.

Naja, Ende gut, alles gut.

P.S. Das ich mit meinem Handy immer noch schneller im Internet surfen kann (über 2 Mbit/s), als mit meinem DSL-Anschluss, gibt trotz der Steigerung zu denken.