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Alles über die 550D von Canon
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HD ist in. Aus diesem Grund habe ich meinen alten SD-Camcorder (JVC GRD-23E) nach 4 Jahren in Rente geschickt. Neuer Camcorder - und Fotokamera zugleich - ist die Canon EOS 550D.





Technische Daten der Videofunktion
Auflösungen (in Pixel) 1920x1080, 1280x720, 640x480
Bildaufbau Vollbilder (Progressiv)
Bildraten 24, 25, 30 Fps bei 1920x1080
50, 60 Fps bei 1280x720 und 640x480
Bitrate 44 MBit/s bei 1080p (inklusive Ton)
44 MBit/s bei 720p (inklusive Ton)
22 MBit/s bei 480p (inklusive Ton)
Farbsubsampling 4:2:0
Codec H.264
Container MOV
Audio Stereo PCM


Technische Besoderheiten bei der 550D
Als erstes sei hier gesagt: Die nun folgenden Erläuterungen sind von Canon nicht dokumentiert oder bestätigt, sondern stammen aus dem Internet. Bei der Videoaufzeichung nutzt Canon - und das übrigens bei allen Modellen - nicht den kompletten Sensor zur Aufzeichnung des Videos, sondern bedient sich einer Technik, die sich Line Skippping nennt. Dabei wird nicht jede Zeile des Sensors (bei 550D wären das 3456) sondern nur jede dritte (bei 1080p) bzw. jede fünfte (720p) ausgelesen. Nur so kann die vom Foto-Chip verarbeitete Datenmenge klein genug bleiben, um die benötigten Bilder pro Sekunde (24 bis 30 bei 1080p bzw. 60 bei 720p) zu erreichen.
Was sind die Folgen dieser Bildverarbeitung? Da Bildmaterial "fehlt", entstehen an diesen Stellen Kanten. Dieses sog. Aliasing führt auch zur Entstehung von sog. Moire-Effekten, das sind farbige pulsierende Artefakte.
Wie groß ist das Problem in der Praxis? Es ist vorhanden, aber im nicht professionellen Bereich durchaus akzeptabel. Bei geraden, fallenden Linien (alle, die nicht genau horizontal oder vertikal sind) kann man die Kanten gut erkennen. Ich würde diese Bildfehler allerdings als kleinere Schönheitsfehler bezeichnen, das Bild wird nicht total zerstört. Moire-Effekte treten am häufigsten bei Dächern auf. Alle Kameras leiden unter diesem Problem, manche stärker, manche weniger stark. Die DSLRs sind besonders stark betroffen. Moire-Effekte können durch eine Veränderung des Bildausschnitts und der Schärfeebene verhindert oder zu mindestens abgemildert werden. Wer auf die Idee kommt, das Aliasing-problem zu umgehen und nur in 720p zu drehen: Bei 720p wird nur jede 5 Zeile aufgenommen, das Aliasing-Problem wird also nur noch größer.

Die Vorteile der EOS 550D gegenüber einem Camcorder:
(Dieser Abschnitt stammt zum Teil aus meiner Bewertung bei Amazon)
  • der Film-Look: Der große Sensor ermöglicht das gezielte Setzen von Schärfe und Unschärfe. Das Bild ist nicht komplett scharf, sondern das Auge des Betrachters kann durch die Schärfe gelenkt werden.
  • hervorragende Low-Light Fähigkeiten: In Kombination mit einer lichtstarken Optik sind selbst Videos in der Dämmerung kein Problem. Wer den kompletten ISO-Bereich (bis 6.400) ausschöpfen will, muss natürlich mit stärkerem Bildrauschen rechnen.
  • volle manuelle Kontrolle (Bild, nicht Ton): Bei manuell eingestellter Belichtung können alle relevanten Parameter (Shutter, Blende, ISO) eingestellt werden. Natürlich kann auch der Fokus manuell über das Objektiv verändert werden.
  • freie Objektivwahl: Die große Objektivauswahl ermöglicht viele neue Perspektiven. Neben einem großen Weitwinkel - der bei vielen aktuellen Camcordern völlig fehlt - können auch Makro- oder Fish-Eye-Objektive eingesetzt werden.
  • viele Videoeinstellungen: Neben 1080p mit 24, 25 und 30 Bildern pro Sekunde, bietet die 550D auch 720p/480p mit 50 und 60 Bildern pro Sekunde.
  • kein Smear-Effekt: Wegen des CMOS-Sensor der 550D können keine Smear-Effekte entstehen. (= Helle Streifen durch das komplette Bild bei hellen Lichtquellen)

Die Nachteile der EOS 550D gegenüber einem Camcorder:
(Dieser Abschnitt stammt zum Teil aus meiner Bewertung bei Amazon)
  • kein nutzbarer Autofokus während dem Filmen: Während dem Filmen ist nur der sehr langsame Liveview-Autofokus (basierend auf der Kontrastmessung) aktiv. Dieser kann technisch bedingt auch nie sofort die volle Schärfe erreichen kann, sondern nähert sich schrittweise dem Ziel.
    Lösung: manuell Fokussieren Dank der hohen Auflösung des Displays ist das manuelle Fokussieren kein unlösbares Problem. Bei statischen, wie auch bewegten Szenen, kann man zum Vorfokussieren den Quick-AF-Modus nutzen. Dabei klappt der Spiegel kurz hoch, das Fokussieren ist allerdings im Gegensatz zum Liveview-AF innerhalb kürzester Zeit erledigt. Im "Reportage-Einsatz" (= Bewegung, Schwenks usw.) sollte man ein paar Grundregeln beachten, um eine hohe "Trefferquote" des Fokus zu erreichen. Höhere Brennweiten machen die Schärfeebene sehr klein. Über 50 Millimeter (umgerechnet auf Kleinbild-Brennweite) sind meiner Ansicht nach nur noch schwer zu Fokussieren. Abblenden hilft, denn damit steigt die Schärfentiefe. Blende F5.6 oder mehr erleichtern das Scharfstellen ungemein. Natürlich geht damit der Film-Look etwas zurück, allerdings sollte man im "Reportage-Einsatz" auch eine akzeptable Schärfe nicht vernachlässigen. Bei statischen Szenen kann die Schärfentiefe natürlich problemlos klein gehalten werden.
    mangelhafte Belichtungsautomatik/keine Halbautomatiken: Leider kann man sich nur zwischen manueller und automatischer Belichtung entscheiden. Eine einzelne manuelle Anwahl (z.B. Blende fest, Rest Automatik), wie es im Fotomodus möglich ist, ist nicht vorhanden. Da die Belichtungsautomatik alle Parameter oft wild umher springen lässt, kann man diese Einstellung nicht empfehlen.
    Lösung: manuelle Einstellungen Da die Belichtungszeit immer der folgenden Regel entsprechen sollte (1/ Bilder pro Sekunde mal 2; Rechnung: bei 25 Bildern pro Sekunde = 1/50 Sekunde), sollte man die Belichtung über die Belichtungszeit nicht verändern. Diese Regel muss nicht zwanghaft eingehalten werden, allerdings führen kürzere Belichtungszeiten zu einem nicht so flüssigen Filmeindruck. Bei schnellen Bewegungen und 25 Bildern pro Sekunden ist auch 1/100 noch akzeptabel. Der nächste Parameter ist die Blende. Während dem Filmen kann man auch die Blende nur schlecht verändern. Erstens sind durch die Änderung der Blende Helligkeitssprünge im Bild zu sehen und zweitens hört man das Drehen am Einstellrad auch mit externem Mikro (auf der DSLR montiert) sehr deutlich. Bleibt noch der ISO-Wert. Dieser lässt sich über das Einstellrad oder über das Steuerkreuz auf der Rückseite verändern. Während man logischer weise ersteres genauso gut hören kann, ist die Bedienung über das Steuerkreuz deutlich leiser. Mit dem Nachteil, dass die Kamera zu mindestens bei mir etwas "wackelt". (wenn aus der Hand gefilmt wird) Wer während dem Filmen keine Einstellungen verändern will, muss die passende Belichtung vor jeder Szene einstellen. Gerade im "Reportage-Einsatz" ist das allerdings nur selten möglich. Natürlich kann auch eine Blende unter- und überbelichten werden, viel mehr ist allerdings nur selten schön. Meine Lösung für diese Situation: Auto-ISO. Was für viele, wie auch für mich, im ersten Moment wie ein Automatik-Monster klingt, stellt sich in der Praxis als durchaus hilfreich dar. Damit kann man ohne ablenkende Einstellungen und ohne störende Geräusche die Helligkeit gut regeln. Die Helligkeitsveränderung verläuft recht smooth, Sprünge sind kaum erkennbar. Leider kann man weder den Rahmen der erlaubten Helligkeitsveränderung noch einen maximalen ISO-Wert einstellen. Mit etwas Planung kann man zu mindestens den ISO-Wert etwas begrenzen, indem man die dunkelste Stelle in z.B. einem Schwenk vorher "ausmisst" und über die Blende diese Stelle auf maximal ISO 1.600 regelt. Um bei den ISO-Werten etwas Raum nach oben und unten zu haben, würde ich vor einer Szene den Auto-ISO-Wert auf ISO 200 bis ISO 400 "einstellen". Dadurch hat die Kamera (z.B. bei ISO 400) jeweils zwei Blenden Spielraum (ISO 100 und ISO 1.600) nach oben und unten.
  • Aliasing: siehe Technische Besonderheiten
  • Rolling-Shutter: Die Technik des CMOS-Sensors ist für diesen Effekt verantwortlich. Bei schnellen Bewegungen, wie z.B. Schwenks, stürzen gerade Linien. Extrem wird dieser Effekt bei sehr schnell rotierenden Teilen ("Rolling Shutter Propeller" einfach mal bei Google eingeben).
    Lösung: schnelle Schwenks vermeiden
  • Automatic Gain Control: Die Kamera pegelt das Signal des Mikrofons automatisch. Leider gibt es keine manuellen Einstellungen. Dadurch werden sehr leise Geräusche (z.B. "Stille" zwischen zwei Sätzen) sehr stark verstärkt, was zu einem starken Rauschen führt.
    Lösung: Inoffizielle Firmware (Magic Lantern)
    Achtung: Durch eine inoffizielle Firmware verliert man die Garantie!!!
  • Beschränkte Länge der Videoaufzeichnung: Die 550D hat zwar eine theoretische Aufnahmelänge von 30 Minuten, in der Praxis erreicht man diese aus mehreren Gründen nicht. Einerseits besitzt eine Videodatei eine max. Größe von 4 GByte, bei 44 MBit/s ist diese Grenze nach 12 Minuten erreicht. Andererseits heizt sich der Sensor der 550D schnell auf. Gerade bei höherer Temperaturen kann nicht unendlich lang (auch bei mehreren einzelnen Aufnahmen hintereinander) aufgezeichnet werden.

Bildqualität der 550D:
Die 550D macht hervorragende Bilder, aber sind die Videos deshalb genauso gut?
Eine klare Antwort: nein
Wegen der technischen Besonderheiten kann die Bildqualität der 550D nicht mit einem guten Full-HD-Camcorder mithalten. Dies resultiert nicht nur aus dem Aliasing und den Moire-Effekten, sondern aus der gesamten Datenverarbeitung.

Auflösung:
Wo Full-HD drauf steht, ist auch Full-HD drinnen. Leider nein!
Auch wenn die allermeisten Camcorder keine Auflösung im Bereich von 1080 Zeilen erreichen, können gute Camcorder zu mindestens nahe an diesen Bereich herankommen. Die Auflösung aller DSLRs ist deutlich niedriger. In einigen Testberichten werden ca. 700 Linien genannt. Im Vergleich zu einem guten Full-HD-Camcorder liegt die Detailwiedergabe der 550D etwa auf 720p-Niveau.
Wer jetzt enttäuscht ist, dem sei gesagt: Auch 720p ist eine Auflösung, in den allermeisten Fällen völlig ausreichend ist.

Bildschärfe:
Zwischen Bildschärfe und Auflösung gibt es einen direkten Zusammenhang. Kein Wunder also, dass die 550D im Vergleich zu einem Full-HD-Camcorder dabei sprichwörtlich alt aussieht. Die Schärfe der 550D ist für 1080p nur ausreichend. Wirklich unscharfe Bilder liefert die 550D nicht, aber feine Details wirken nicht "knackig" scharf. Ein weiterer Aspekt: Durch die kleine Schärfentiefe wirkt das Bild an scharfen Stellen schärfer, als es eigentlich ist. Fazit: Die Schärfe ist akzeptabel

Farben:
Die Farbwiedergabe ist gut, hier gibt es nichts zu meckern. Durch die vielen Style-Settings können die Farben nach belieben verändert werden.

Bildrauschen:
Das Bildrauschen der Videos liegt auf einem Niveau mit dem Bildrauschen der Bilder
ISO 100, ISO 200, ISO 400: kein sichtbares Rauschen vorhanden
ISO 800: minimal sichtbares Rauschen vorhanden
ISO 1.600: Rauschen sichtbar, aber noch nicht sehr störend
ISO 3.200: deutliches Rauschen sichtbar, sehr störend
ISO 6.400: extremes Rauschen sichtbar, extrem störend


Mein Video-Zubehör:
- externes Mikrofon: Da das interne Mikrofon nicht die beste Tonqualität liefert, ist ein externes Mikrofon das sinnvollste Zubehör.
Mögliche Kandidaten waren das Rhode VideoMic (Stereo) und Sennheiser MKE 400 (Mono-Richtmikrofon). Aufgrund der Größe und der Tonqualität habe ich mich für das Sennheiser MKE400 entschieden. Das Mono-Mikrofon wird von einer AAA-Batterie gespeist. Wegen der (Super-)Nierencharakteristik werden vor allem Geräusche aus dem Blickfeld der Kamera aufgenommen.
- Fluid-Kopf: Um saubere Schwenken zu können benötigt man einen gedämpften Videokopf. Hier habe ich mich für den preiswerten 701 HDV von Manfrotto entschieden.
- zusätzlicher Akku: Der Stromverbrauch der 550D ist wegen des permanent aktiven Bildstabilisators (sofern das Objektiv einen besitzt) und des Displays sehr hoch. Wer längere Zeit (> 1 Stunde) filmen will, sollte einen Ersatzakku dabei haben. Da die originalen Akkus extrem teuer sind, war ein Nachbau-Akku für ein Viertel des Preises eine sehr gute Wahl.

Zubehör Sennheiser MKE400 Manfrotto 701HDV Zoom H1 Nachbau-Akku
Art Mikrofon Videokopf Recorder Akku
Priorität hoch hoch mittel mittel
Preis 150 Euro 100 Euro 100 Euro 10 Euro


weiteres mögliches Video-Zubehör:
- variabler ND-Filter: Wer in allen Situationen eine Belichtungszeit von 1/50 Sek nutzen will, kommt um einen ND-Filter nicht herum. Bei starkem Sonnenschein muss man sonst bis über Blende 20 abblenden, um diese Belichtungszeit zu erreichen.
Fazit: Die Canon EOS 550D ist die perfekte Kombination aus Foto- und Videokamera. Fairerweise muss man hinzufügen, dass die Panasonic GH2 prinzipiell noch eine besser Kombination wäre, da sie neben einer besseren Bildqualität im Videomodus auch noch einen permanenten Autofokus während der Videoaufnahme bietet. Als überzeugter Nutzer von lichtstarken (günstigen) Festbrennweiten und mit einem leicht stärkeren Fokus auf die Fotografie, kann die 550D aber die GH2 schlagen.